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von den Schwingen
der brennenden Vögel
sprühen Funkenmücken
sie stechen heiss
in meine kalte Haut
.
die Vögel begleiten
den unförmigen Pegasus
er hat zwei Köpfe
seine Gesichter schön
.
der Gott des Lebens
spielt mit der Göttin
der letzten Salbung
.
jeder Gewinn ein Leben
jeder Gewinn ein Sterben
verloren wird ein Tod
oder ein weiteres Leben
.
manfred keitel
.
Erlösung vom Erlöser?
.
immer noch und
Jahrzehnte später
keine Rechte
in der Anstalt
sie nennen es Heim
da wird kaserniert
.
behindert geboren?
Pech gehabt
da sind Katholen
das wird kein Leben
.
keine Grundrechte
in der Anstalt
einfach weggeschafft
hinter Mauern
keine Freiheit
Menschenwürde
.
sie nennen es
Barmherzigkeit Hilfe
Religion Liebe
und schaffen Hass
.
manfred keitel
.
Katholen
.
auch Hitler war ihr Sohn
1000 Jahre Frieden
wollt er uns androhn
.
.
es soll mir an nichts mangeln
(ausser am Verstand)
.
Glocke bimmelt
Schäfchen hüpft
.
der Hirte (!) der Hirte (!)
.
Kutte wirbelt
Worte aufgebauscht
.
der Hirte (!)
.
guck hierher
glaube jetzt
.
auf der Stelle: hüpf
.
manfred keitel
.
die Waise Jesus
.
ich glaube an die Macht
ich glaube an den Geist
ich glaube an den Sohn
der sich gegen Vater wehrt
.
ich glaube an das Licht
das in Kirchenruinen scheint
ich glaube an das Paradies
nach dem Tod der Religion
.
Glaube heisst nicht Wissen
ich weiss der Glaube lügt
Glaube der Macht des Geistes
heilig ist und war nichts

.
manfred keitel
.
die Bestimmung
.
unter der Bestimmung
sind wir alle gleich
die Gnade schenkte uns
ein großes Gehirn
für die Lügen
in unseren Köpfen
steht das Paradies
.
die Bestimmung
kann man nicht wählen
sie lebt uns
in ihren Darm hinein
ohne Vorurteile
.
wir müssen sie leben
wir müssen uns alle töten
und wir tun es human
mit dem Himmelsreich
sind an Verstand arm
an Glauben reich
.
manfred keitel
.
die einen
sagen jenes
die anderen
dieses
.
ich bin
der Spiegel
das Echo
die weisse Wand
.
stumm ich
starre,
und sehe nicht
.
der Fluss
vereisst
die Luft
verbrannt
.
die einen
sagen
die anderen
.
die einen
sind das Echo
die anderen ich
.
ich sage
jenes
.
manfred keitel
.
Elfengebeine
.
in unseren schönsten Stunden
lacht es uns aus
unserem Gesicht
das Skelett das übrig bleibt
.
den schönsten Körpern
gibt es seine Form;
die Skelette
hässlicher Menschen
sind schöner als viele Monde
.
manfred keitel
.
die Schule fürs Leben
.
du wirst dich
biegen
oder brechen
brüllte
die Lehrerin
.
ich bog mich
und kotzte
.
manfred keitel
zuversichtlich zwischen Zynikern (Version 1.0)
.
Zyniker zerreden Zuversichtliches
zerkauen Zahnreihen
zupfen Zarathustras Zehen
zerfleischen Zitronen
.
zuversichtlichere Zeitgenossen
zerschnippeln Zuchinis
zählen Zwiebeln zahlen Zierobst
.
Zyniker zermahlen Ziele
zerreden Zschorschs Zonenlyrik
zerstören zarte Zukunftspläne:
zuerst zermürben
zuletzt zersetzen
.
zum ziellos zähen Zoff -
zwischen Zynikern Zuversichtlichen -
zahllose zertretene Zuchtrosen
zermatschte Zaunkönige
zerissen zertrampelt zerfetzt
.
zynische Zuversichtlichkeit
zuversichtlicher Zynismus
.
zahlreiche Zwischenspiele
zwischenmenschliche Zerreißproben
.
Zwangsoptimisten zählen
zwischen Zornesworten
Zärtlichkeiten Zitronenduft
zelebrieren Zungenakrobatik
züchten zarte Zwiebeltriebe
.
manfred keitel
.
Das Erdlied der Mutter Sonne
.
am Anfang war sie hitzig rot
dann kamen erste Krater
in ihrer Jugend war sie blau
.
manche die dort lebten
mochten ihre Kinder nicht
denn sie waren Vegetarier
.
alt ist sie jetzt kalt und grau
ihre Atmosphärenhaut verging
übrig bleibt ein Skelett
.
in wenigen Millionen Jahren
sind wir beide Sternenstaub
in der Gruft des Universums
.
manfred keitel
.
das Geheimnis wird dich verlassen
.
du hast ein Geheimnis
das jeder kennt
doch keiner weiß
dass es dir verborgen ist
keiner lüftet es dir
.
manchmal verdünnst du
deine sauren Tränen
in Korn und Schnaps
und spazierst gemütlich
dicht am Abgrund entlang
.
was offensichtlich ist
ist verblasst
bis zur Unsichtbarkeit
bis du soweit bist
es zu verstecken
dann wirst du es sehen
.
manfred keitel
17:13 09.04.2005
.
Manchmal will ich dir alles rauben.
Die Zunge mit der wir sprechen.
Die Augen mit denen wir sehen.
Die Ohren mit denen wir hören.
.
Sag doch nicht immer nur,
was du willst.
Spricht zu mir.
Schau doch nicht nur das an,
was dir gefällt.
Schau mich an.
Höre doch nicht nur das,
was dir passt.
Höre auf mich.
.
Denk an mich.
.
Ich weiß,
die meiste Zeit störe ich dich.
Nage an dir,
als Zahn der Zeit.
Bin der Geist der dich plagt,
Zeit – Geist.
Bin deine größte Angst,
Gevatter Tod.
Halte das was du nicht magst,
Erinnerung.
.
Ich muss dich enttäuschen.
Du wirst mich nicht los.
Egal,
wie lange du fluchst.
Ob du schreist.
Wie lange du weinst.
Ob du blutest.
Wie oft du brichst.
Ob du fällst.
Oder nicht.
.
Gruß,
dein Gewissen
.
CloudOfPoison
.
Hirnzellenpuzzle
.
unter der Kruste dürrer Worte
dem Staub des Lächelns
und der Hoffnung
Personen wie wir
sie unterschieden sich
nur durch ihre Taten
ihre Herzen schienen ledern
ihre Augen stählern
.
ihre klammen Fratzen
strahlten Gütigkeit aus
ihren Kindern wegbereitend
was gute Deutsche sind
.
Erinnerungstrümmer blieben
Leichen unter Ruinen
beiseitegeschoben
und begraben
Legenden des Volkslebens
wurden tot geboren
.
manfred keitel
00:11 07.04.2005
.
die endgültige Antwort
.
wir wissen nun
mit dem Leben
kam die Sterblichkeit
wir wissen auch
die Schwesterschaft
der DNA
macht uns
.
zu Kannibalen
wir wissen nun
die Sterblichkeit
ist Leben
es gibt
keinen Ausweg
.
aus diesem
Ausweg
.
manfred keitel
3 / 2005
.
Gottlos
.
die Würfel sind gefallen
Gott 34 in der Ziehung
jeden Tag einen neuen Gott
frisch und unverbraucht
Stunden der kleinen Götter
in unserem Götterkarussel
neue Kreise die sich zirkeln
welcher Gott verteilt mich
an welches Los bindet er?
.
manfred keitel
3 / 2005
.
Befreiung
.
Ich widersprach dem Winter
und er floh
floh unmännlich
zerfloss mäandernd im eigenen Schmerz
aus seinem wässrigen Blick
begehrte er vergeblich
zurück
.
Ich aber blieb
blieb ich
wurzle wieder
in meinen feuchten weichen Moosen
und bepflanze meinen hungrigen Boden
mit herzzahmen Anemonen
.
11.März 2005
.
bald schon, bald ..
werden wir wieder
elfen nachjagen gemeinsam
die sonne anblinzeln
ausgestreckt am feldrain
dann
.
bald schon ..
kannst erneut du
über die wiesen tollen
im zarten grün
zupfen am ufer herum
flitzen
.
bald ..
seinem jungen hund
den kopf streichend
dreht
der alte auf
die andere seite
sich gleich

.
PeT
.
Leuchtspur
.
siehst Du - Kleines -
die Sterne da?
.
hab keine Angst
.
das
sind gar keine Sonnen
.
die haben dich belogen
in der Schule
.
das sind Spuren
von Insektenfüßen
.
Weltraumkäfer wachen
freundlich fletschend
mit äonengroßen Augen
über unser Wohl
.
es ist ja alles gut
da sind doch
gar keine Sonnen
.
nur riesige Käfer
mit stumpfen Panzern
also nun beruhige dich mal
.
manfred keitel
.
von den Schwingen
der brennenden Vögel
sprühen Funkenmücken
sie stechen heiss
in meine kalte Haut
.
die Vögel begleiten
den unförmigen Pegasus
er hat zwei Köpfe
seine Gesichter schön
.
der Gott des Lebens
spielt mit der Göttin
der letzten Salbung
.
jeder Gewinn ein Leben
jeder Gewinn ein Sterben
verloren wird ein Tod
oder ein weiteres Leben
.
manfred keitel
.
Erlösung vom Erlöser?
.
immer noch und
Jahrzehnte später
keine Rechte
in der Anstalt
sie nennen es Heim
da wird kaserniert
.
behindert geboren?
Pech gehabt
da sind Katholen
das wird kein Leben
.
keine Grundrechte
in der Anstalt
einfach weggeschafft
hinter Mauern
keine Freiheit
Menschenwürde
.
sie nennen es
Barmherzigkeit Hilfe
Religion Liebe
und schaffen Hass
.
manfred keitel
.
Katholen
.
auch Hitler war ihr Sohn
1000 Jahre Frieden
wollt er uns androhn
.
.
es soll mir an nichts mangeln
(ausser am Verstand)
.
Glocke bimmelt
Schäfchen hüpft
.
der Hirte (!) der Hirte (!)
.
Kutte wirbelt
Worte aufgebauscht
.
der Hirte (!)
.
guck hierher
glaube jetzt
.
auf der Stelle: hüpf
.
manfred keitel
.
die Waise Jesus
.
ich glaube an die Macht
ich glaube an den Geist
ich glaube an den Sohn
der sich gegen Vater wehrt
.
ich glaube an das Licht
das in Kirchenruinen scheint
ich glaube an das Paradies
nach dem Tod der Religion
.
Glaube heisst nicht Wissen
ich weiss der Glaube lügt
Glaube der Macht des Geistes
heilig ist und war nichts

.
manfred keitel
.
die Bestimmung
.
unter der Bestimmung
sind wir alle gleich
die Gnade schenkte uns
ein großes Gehirn
für die Lügen
in unseren Köpfen
steht das Paradies
.
die Bestimmung
kann man nicht wählen
sie lebt uns
in ihren Darm hinein
ohne Vorurteile
.
wir müssen sie leben
wir müssen uns alle töten
und wir tun es human
mit dem Himmelsreich
sind an Verstand arm
an Glauben reich
.
manfred keitel
.
die einen
sagen jenes
die anderen
dieses
.
ich bin
der Spiegel
das Echo
die weisse Wand
.
stumm ich
starre,
und sehe nicht
.
der Fluss
vereisst
die Luft
verbrannt
.
die einen
sagen
die anderen
.
die einen
sind das Echo
die anderen ich
.
ich sage
jenes
.
manfred keitel
.
Elfengebeine
.
in unseren schönsten Stunden
lacht es uns aus
unserem Gesicht
das Skelett das übrig bleibt
.
den schönsten Körpern
gibt es seine Form;
die Skelette
hässlicher Menschen
sind schöner als viele Monde
.
manfred keitel
.
die Schule fürs Leben
.
du wirst dich
biegen
oder brechen
brüllte
die Lehrerin
.
ich bog mich
und kotzte
.
manfred keitel
zuversichtlich zwischen Zynikern (Version 1.0)
.
Zyniker zerreden Zuversichtliches
zerkauen Zahnreihen
zupfen Zarathustras Zehen
zerfleischen Zitronen
.
zuversichtlichere Zeitgenossen
zerschnippeln Zuchinis
zählen Zwiebeln zahlen Zierobst
.
Zyniker zermahlen Ziele
zerreden Zschorschs Zonenlyrik
zerstören zarte Zukunftspläne:
zuerst zermürben
zuletzt zersetzen
.
zum ziellos zähen Zoff -
zwischen Zynikern Zuversichtlichen -
zahllose zertretene Zuchtrosen
zermatschte Zaunkönige
zerissen zertrampelt zerfetzt
.
zynische Zuversichtlichkeit
zuversichtlicher Zynismus
.
zahlreiche Zwischenspiele
zwischenmenschliche Zerreißproben
.
Zwangsoptimisten zählen
zwischen Zornesworten
Zärtlichkeiten Zitronenduft
zelebrieren Zungenakrobatik
züchten zarte Zwiebeltriebe
.
manfred keitel
.
Das Erdlied der Mutter Sonne
.
am Anfang war sie hitzig rot
dann kamen erste Krater
in ihrer Jugend war sie blau
.
manche die dort lebten
mochten ihre Kinder nicht
denn sie waren Vegetarier
.
alt ist sie jetzt kalt und grau
ihre Atmosphärenhaut verging
übrig bleibt ein Skelett
.
in wenigen Millionen Jahren
sind wir beide Sternenstaub
in der Gruft des Universums
.
manfred keitel
.
das Geheimnis wird dich verlassen
.
du hast ein Geheimnis
das jeder kennt
doch keiner weiß
dass es dir verborgen ist
keiner lüftet es dir
.
manchmal verdünnst du
deine sauren Tränen
in Korn und Schnaps
und spazierst gemütlich
dicht am Abgrund entlang
.
was offensichtlich ist
ist verblasst
bis zur Unsichtbarkeit
bis du soweit bist
es zu verstecken
dann wirst du es sehen
.
manfred keitel
17:13 09.04.2005
.
Manchmal will ich dir alles rauben.
Die Zunge mit der wir sprechen.
Die Augen mit denen wir sehen.
Die Ohren mit denen wir hören.
.
Sag doch nicht immer nur,
was du willst.
Spricht zu mir.
Schau doch nicht nur das an,
was dir gefällt.
Schau mich an.
Höre doch nicht nur das,
was dir passt.
Höre auf mich.
.
Denk an mich.
.
Ich weiß,
die meiste Zeit störe ich dich.
Nage an dir,
als Zahn der Zeit.
Bin der Geist der dich plagt,
Zeit – Geist.
Bin deine größte Angst,
Gevatter Tod.
Halte das was du nicht magst,
Erinnerung.
.
Ich muss dich enttäuschen.
Du wirst mich nicht los.
Egal,
wie lange du fluchst.
Ob du schreist.
Wie lange du weinst.
Ob du blutest.
Wie oft du brichst.
Ob du fällst.
Oder nicht.
.
Gruß,
dein Gewissen
.
CloudOfPoison
.
Hirnzellenpuzzle
.
unter der Kruste dürrer Worte
dem Staub des Lächelns
und der Hoffnung
Personen wie wir
sie unterschieden sich
nur durch ihre Taten
ihre Herzen schienen ledern
ihre Augen stählern
.
ihre klammen Fratzen
strahlten Gütigkeit aus
ihren Kindern wegbereitend
was gute Deutsche sind
.
Erinnerungstrümmer blieben
Leichen unter Ruinen
beiseitegeschoben
und begraben
Legenden des Volkslebens
wurden tot geboren
.
manfred keitel
00:11 07.04.2005
.
die endgültige Antwort
.
wir wissen nun
mit dem Leben
kam die Sterblichkeit
wir wissen auch
die Schwesterschaft
der DNA
macht uns
.
zu Kannibalen
wir wissen nun
die Sterblichkeit
ist Leben
es gibt
keinen Ausweg
.
aus diesem
Ausweg
.
manfred keitel
3 / 2005
.
Gottlos
.
die Würfel sind gefallen
Gott 34 in der Ziehung
jeden Tag einen neuen Gott
frisch und unverbraucht
Stunden der kleinen Götter
in unserem Götterkarussel
neue Kreise die sich zirkeln
welcher Gott verteilt mich
an welches Los bindet er?
.
manfred keitel
3 / 2005
.
Befreiung
.
Ich widersprach dem Winter
und er floh
floh unmännlich
zerfloss mäandernd im eigenen Schmerz
aus seinem wässrigen Blick
begehrte er vergeblich
zurück
.
Ich aber blieb
blieb ich
wurzle wieder
in meinen feuchten weichen Moosen
und bepflanze meinen hungrigen Boden
mit herzzahmen Anemonen
.
11.März 2005
.
bald schon, bald ..
werden wir wieder
elfen nachjagen gemeinsam
die sonne anblinzeln
ausgestreckt am feldrain
dann
.
bald schon ..
kannst erneut du
über die wiesen tollen
im zarten grün
zupfen am ufer herum
flitzen
.
bald ..
seinem jungen hund
den kopf streichend
dreht
der alte auf
die andere seite
sich gleich

.
PeT
.
Leuchtspur
.
siehst Du - Kleines -
die Sterne da?
.
hab keine Angst
.
das
sind gar keine Sonnen
.
die haben dich belogen
in der Schule
.
das sind Spuren
von Insektenfüßen
.
Weltraumkäfer wachen
freundlich fletschend
mit äonengroßen Augen
über unser Wohl
.
es ist ja alles gut
da sind doch
gar keine Sonnen
.
nur riesige Käfer
mit stumpfen Panzern
also nun beruhige dich mal
.
manfred keitel
.
leuchtspur
.
siehst Du - Kleines -
die Sterne da?
.
hab keine Angst
.
das
sind gar keine Sonnen
.
die haben dich belogen
in der Schule
.
das sind Spuren
von Insektenfüßen
.
Weltraumkäfer wachen
freundlich fletschend
mit äonengroßen Augen
über unser Wohl
.
es ist ja alles gut
da sind doch
gar keine Sonnen
.
nur riesige Käfer
mit stumpfen Panzern
also nun beruhige dich mal
.
manfred keitel
.
die Wahrheit ist ein schuldiges Lamm
.
ich schreibe dir ein Lächeln
ins Gesicht!
.
ja ich tipp
.
ich tippe dir vorsichtig
auf die Schulter
.
Nachts stürz ich
.
in die Gräben über die Wälle
in die Gräben
.
scharfe Falten
auf deinem Ausdruck
.
das Fleisch vom Kopf gefetzt
wie alte Kleidung
.
die Schultern gebrochen
.
manfred keitel
.
eine weitere Flucht
.
Köpfe hüpfen über Zaunhorizonte
gezackte Narben weisen hinauf:
dort ist der Absturzfluchtpunkt
.
Leben ist teuer Sterben kostet viel
.
Gesichter fliehen Gesichte erscheinen
Bodys kollabieren
.
Fensterflügel an jedem Käfig
Gesichter splittern
entlang ihrer Lebenslinie
.
Bodys fliehen
spröde Köpfe bleiben zurück
der Graben eine Leidenslinie
.
manfred keitel
.
ich bin die Liebe
.
geblendet
vom hellen Fleisch
.
ein Tabu
ist zerbrochen
die Liebe liebt den Sex
.
die Liebe ist blind
der Sex schaut für sie
der Sex kann schauen
die Liebe kann fühlen
.
doch der Sex
kann nicht lieben
.
ich fühle
für den Sex
ich bin die Liebe
.
manfred keitel
.
titellos
.
im Wartezimmer der Hoffnung
lächelt sanft das Verderben
im Knast des Lebens
eingefangen
in abgestreiften Träumen
doch die Freiheit
kennt keine Räume
.
wir sind
dunkle Laternenmasten
im Nebel
Spinnenbeinen gleich
im Boden verhaftet
nenne uns Menschen
eine Brücke aus Pfeilern
.
manfred keitel
.
dicke Flocken
atomarer Träume
stürzen weich
auf leere Wege
.
manfred keitel

.
die Leiche und der Rabe
.
alles was ich habe
ist ein kleiner Rabe
tragt mich nicht zu Grabe
faule ohne Neider
trage keine Kleider
fragt nicht mich, die Gabe
.
ich die Leiche, er der Rabe
gebt vom Fleische
nichts dem Grabe
.
manfred keitel
.
elis im text-forum :
.
ganz zärtlich
(k)eine geschichte
la cucaratcha
klassentreffen
.
Kalter Oktobermorgen
.
der morgen roht
in ungeschliffener Pracht
letztes blasses Funkeln
in Wolken gebettet
Fenster flackern auf
erste Gesichter rinnen,
in die Straße hinab
.
der Flirt mit dem Tag
läßt noch alles offen
die Nesseln brennen
noch nicht
die Spinne reckt
ihre zarten Glieder
.
eine neue Gegenwart
weitet sich sacht aus
man fängt sich
ein taubes Grinsen
.
manfred keitel
.
die Bewegung ist tot
die Früchte tragen sich selbst
die Kinder der Revolution
bestellen ihre eigenen Felder
.
Herz-Kammern ausgeräumt
weiter träumen (!)
beim Erwachen
im Kernschatten der Hoffnung
.
manfred keitel
.
morgen bin ich wieder da
.
keine Angst mehr haben
ein Klischee zu leben
alle meine Waffen strecken
und alle Niederlagen bestehen
der Weltformel gelassen entgegensehen
.
manfred keitel
.
(Pillen) gegen den Tod
.
im Kern der Panzerung Nichts
in den Seifenblasen Atem
der Schutz überdauert
der Atem dauert
.
auf atemlose Weise
fliehen wir vor Sternschnuppen
.
manfred keitel
.
vorgestern-morgen
.
früher war alles besser
heute ist alles neu
.
mit Pauken
und Trompeten
kommen Pauken und Trompeten
.
alle wollen ein Stück
vom Kuchen
Du bist der Kuchen
.
sie wollen immer das Eine
Dich an der Leine
.
manfred keitel
.
Rohrschachtspiegel
.
sie überhöhen mich
um mich abzuschießen
sie bauen mir Mauern
ich bin verschwunden
.
ein Loch bleibt am Himmel
und ihr
Marionetten aus Wachsleichen
.
manfred keitel
.
Nadelstiche des Morgens
die Stiche der Nacht
und der Tag
.
alle wollen mein Blut
alle wollen sich einimpfen
in meinem Selbst fremdgehen
.
blinde Bilder taxieren mich
die Pausen zwischen den Worten
füllen sich ab - mit mir
.
manfred keitel
.
vernet zungen

den längst umklammert winterwahn
ihn haut sie mit der angel an

im hüttenschatten zählt er mäuse
sie nestelt an der alten reuse

aus seinem auge blinkt entsetzen
als sie beginnt ihn zu umnetzen

mitten in sein novemberweh
haucht sie : sind fische noch im see ?!

PeT
HERBST
hasel nuss blues

hundert kilometer rannt' .. ich her und hin
haselnuesse suchend .. für die prinzessin

ich singe beileibe .. euch hier keinen schmus
in epischer breite .. den haselnussblues

~

monate hoppel ich nun schon .. on the road
in sonnendunst und .. hagel wie ein idiot

das ist ganz bestimmt .. nicht nur irgend so'n russ
mich traf voller haerte der .. haselnussblues

~

ihre stille .. sehnsucht stets in meinem sinn
nur fuer haselnussmus .. schmoelze sie dahin

denkt jetzt nicht .. der jammert nur in einem fluss
er hat mich voll erwischt .. der haselnussblues

~

jeden penner frug .. ich nach haselnussgras
bestach kraeuterhexen fuer .. haselmausfrass

ihr ahnt schon ich heul .. nicht aus leichtem verdruss
vielmehr haut er mich um .. der haselnussblues

~

jede baumkrone .. klimmend nach fremdbewuchs
alte hoehlen umgrub ich .. vom haselfuchs

ich tret euch doch hier nicht .. einfach so auf'n fuss
ein ganz klarer fall ist's .. von haselnussblues

~

mit vollem haselsack vor ihr .. auf den knien
haucht sie schliesslich .. 'ich will betakarotin'

einen kleinen rat gebt bitte .. mir zum schluss
wie werd ich ihn los .. meinen haselmausblues

p @ j
.
WARUM?
fragte mich einmal
mone hartman in ihrem gedicht,
warum eigentlich
bringst du dich NICHT um?
ich wusste keine antwort
und sie auch nicht.
aber vielleicht,
dachte ich da,
vielleicht
weil manchmal der mond besonders hell scheint,
für mich,
am ufer des reißenden flusses
in meinen lauen sommernächten.
vielleicht auch
weil manchmal die klinge besonders glänzt,
für mich,
als spiegel meiner weißen haut
in diesen lauen sommernächten.
oder
weil einmal das eichhörnchen besonders freundlich
mit meinen augen spielte,
am letzten immergrün vor dem abgrund
in dieser lauen sommernacht.
warum eigentlich,
bringst du dich NICHT um?
vielleicht
weil ich manchmal,
wenn ich genau hinsehe,
gott entdecke
in den weißen anemonen
meiner jugendlichen sommernächte.
.
aber sicher bin ich nicht:
wenn wieder kalte winternacht kommt
und die anemonen nicht mehr blühen.
.
.
Tag für Tag
.
Herr Meyer
Herr Meyer steht auf,
für ihn beginnt ein neuerTagesablauf.
er geht ins Bad und wäscht sich
das Gesicht.
Nach dem ausgiebigen Frühstück,
fährt er auf Arbeit, was für ein Glück.
8 Stunden Arbeit,
7 Stunden Schlaf,
9 Stunden Freiheit.
.
Herr Meyer
Herr Meyer steht langsam auf,
für ihn beginnt der alteTagesablauf.
er geht ins Bad und wäscht sich
das müde Gesicht.
Nach einem kleinen Frühstück,
fährt er auf Arbeit zurück.
10 Stunden Arbeit,
7 Stunden Schlaf,
7 Stunden Freiheit.
.
Herr Meyer
Herr Meyer steht mühsam auf,
für ihn beginnt der alte träge Tagesablauf.
er schlurft ins Bad und wäscht sich
das alte müde Gesicht.
Nach dem Frühstück,
Dort! Die Arbeit nur noch ein Stück.
12 Stunden Arbeit,
5 Stunden Schlaf,
7 Stunden Freiheit.
.
Herr Meyer
Herr Meyer steht nicht mehr auf,
für ihn beginnt kein neuer Tagesablauf.
er geht nicht ins Bad und wäscht sich nicht
sein fahles und altes Gesicht.
Diesmal kein Frühstück,
Keine Arbeit, welch ein Glück.
0 Stunden Arbeit,
24 Stunden Schlaf,
0 Stunden Freiheit.
.
oliver j. udge
.
Mein Geist
Ist meine einsame Insel.
Natürlich bin ich
Nicht lebensmüde.
Deshalb nehm ich kein Boot.
Auch nicht deins.
 
Mein Geist
Bleibt mein zu Hause.
Natürlich bin ich
Nicht lebensmüde.
Und schließe immer die Tür
Und kippe die Fenster nur selten.
 
Mein Geist
Soll immer mein Käfig sein.
Natürlich bin ich
Auch nicht lebensfroh.
Deshalb breche ich nie aus
Und verschlucke den Schlüssel.
 
GeistReich-
Julia Luft
.
Brandstiftung II
.
Züngelnd
Feuer
ans Ohr
gelegt
Brandsätze
auf wehrlosem Hals
springen über
sengende Finger
in tiefste Haut
und wieder
steht
lodernd
die Nacht
in Flammen
.
Dietrich Pietsch
.
Mein Priester
.
Ich will deine Hure sein,
Dein Fundament
und dein Heiligenschein.
.
Du sollst meine Wallung taufen,
Unser Fieber;
und meine Seele freikaufen.
.
Deine Schöpfung erklingt
und mein Staunen:
von allen Heiligen umringt.
 .
Dein Stolz flammt meine Liebesglut
und Deine Scham zerfällt,
doch ewig wallt durch Unser Blut:
der böse Blick der Welt.
.
julia luft
.
SEID IHR BEREIT KINDER ?
 
Heute werde ich einen unter Euch auswählen.
Ein Kind, das zwischen Strichen stecken geblieben und unter Schatten gestellt ist.
Eine Kamille, die uns aus seinem Heim Leid trägt…
Lautlos inmitten des grau werdenden Blaues, unter der Menschengemenge eine verwaiste Knospe!
Dessen Herz Lichter ausstrahlt und voller Geheimnisse ist…
 
Während die Sonne durch das Wasser fließt,
fallen die Laternen der Leere einer nach dem anderen vor ihn hin..
Sagen Sie mir, was haben Sie für Sorgen ?
Zeigt Euch mit ihm zusammen, wenn ihr ein Teil der sich vermischenden Nächte, des sich mit farbenfrohen und mit schwarzen Punkten einrahmenden Lebens seid.
Ich weiß, euer Geschütz wird nicht mehr geschützt.
Wo die Identitäten der Menschen schmelzen, trotz vereister Führungen auf Euren Wegen, habt ihr es wenigstens bestimmen können, wohin Euer Weg hinführt ?
 
Seid ihr bereit Kinder ?
Heute werde ich einen unter Euch auswählen.
Ein Kind, das zwischen Strichen stecken geblieben und unter Schatten gestellt ist.

üzeyir LOKMAN çayci
Paris – 20.12.2003
Übersetzung : NURAY LALE  
.
mein abschied
 .
in deinem sarg
ist kein frühling mehr.
wo sind
all deine blüten?
.
mein abschied
fällt
in der sanduhr
der welt
durch die große
enge
in all die anderen
gedanken.
 .
nun grünen meine
wiesen wieder.
ich wollte doch
ewig winter.
.
julia luft
.

« DER BERG » WAR DER NAME DES PFERDES VON MEINEM VATER

"Der Berg" war der Name des Pferdes von meinem Vater
Blutrot war seine Farbe
Er trug ihn niemals ohne
seine unberechenbare Waffe
bei sich...
Er ließ ihn auf den Rücken auf den Boden fallen…
Mit der Sprache der Liebe
wieherte es
Die Treulosigkeit mochte es nicht
Die Freundschaft aber verstand es sehr gut… 
Nun hat man
Von einigen die Gedanken genommen
Von einigen, das, was sie besaßen
Ihr Haß schien zu Tage
als Ihre Jugend sich aus Ihrem Leib
nacheinander ablöste...

Ihre Identität, die die Unschuldigen leiden ließ
fand Unterstützung...
Ihr Leben war ein einziges Slogan:
’Es leben die Kühe...
Tod dem vier beinigen Fliegen...”
Sie jagten einem Hirngespinst nach und
Hinter ihnen ein ungeheurlicher und furchtbringender Dämon...
Vor ihnen eine unendliche Finsternis, die die Menschen verschlingt...
Mit ihren Händen wird das Nichts in die Zukunft gesät!
Dann bekommt man den Ertrag:
Eine Papille, mit gesenktem Hauptes
Und eine Scheune ohne Dach...  

Klagelieder werden gesungen in den Kerkern  
Auf den Strassen wird das Leben verschwendet
Freundschaften bleiben in der Vergangenheit
Die Feindschaft wird tagtäglich von Neuem ins Grüne verkleidet.

"Der Berg" war der Name des Pferdes von meinem Vater
Blutrot war seine Farbe
Er trug ihn niemals ohne
seine unberechenbare Waffe
bei sich...
Er ließ ihn auf den Rücken auf den Boden fallen…
Mit der Sprache der Liebe
wieherte es
Die Treulosigkeit mochte es nicht
Die Freundschaft aber verstand es sehr gut… 

Üzeyir Lokman ÇAYCI
Paris - 09.08.2003
Übersetzung: Nuray LALE

.
mit wenig
.
mit wenig
viel gewonnen
mit viel
weniger gemacht
.
viel weniger
als mit wenig
.
manfred keitel
.
mein blaues zimmer
.
mein blaues zimmer
verkannte seinen sinn
und einsamt nun
einzig in meiner erinnerung.
.
ich höre noch die tür
durch deren spalt du
leise mich im schlaf
bestauntest.
.
mein blaues zimmer
liegt noch unter dem süßen duft
der dich umgab
immer wenn du gingst.
.
ich höre noch deine stimme
die mich schmerzlich erinnert
an deine fehlbarkeit
in meinem blauen zimmer.
.
blau schmecken tränen
in meiner stille.
türen schlafen duftend
in vergessenen zimmern.
.
ich sterbe
einsam.
.
julia luft
.
n u n
.
Milchglas-Spiegelungen
berauscht vom Nektar
der Endlichkeit
.
welke Ziffernblätter
liebe oder nicht
.
abgelaufen und gesucht
ja und nein kosten
die jeweils andere
Hälfte der Welt
.
manfred keitel
TEXT-ARCHIV
Mein Priester
.
Ich will deine Hure sein,
Dein Fundament
und dein Heiligenschein.
.
Du sollst meine Wallung taufen,
Unser Fieber;
und meine Seele freikaufen.
.
Deine Schöpfung erklingt
und mein Staunen:
von allen Heiligen umringt.
 .
Dein Stolz flammt meine Liebesglut
und Deine Scham zerfällt,
doch ewig wallt durch Unser Blut:
der böse Blick der Welt.
.
julia luft
.
SEID IHR BEREIT KINDER ?
 
Heute werde ich einen unter Euch auswählen.
Ein Kind, das zwischen Strichen stecken geblieben und unter Schatten gestellt ist.
Eine Kamille, die uns aus seinem Heim Leid trägt…
Lautlos inmitten des grau werdenden Blaues, unter der Menschengemenge eine verwaiste Knospe!
Dessen Herz Lichter ausstrahlt und voller Geheimnisse ist…
 
Während die Sonne durch das Wasser fließt,
fallen die Laternen der Leere einer nach dem anderen vor ihn hin..
Sagen Sie mir, was haben Sie für Sorgen ?
Zeigt Euch mit ihm zusammen, wenn ihr ein Teil der sich vermischenden Nächte, des sich mit farbenfrohen und mit schwarzen Punkten einrahmenden Lebens seid.
Ich weiß, euer Geschütz wird nicht mehr geschützt.
Wo die Identitäten der Menschen schmelzen, trotz vereister Führungen auf Euren Wegen, habt ihr es wenigstens bestimmen können, wohin Euer Weg hinführt ?
 
Seid ihr bereit Kinder ?
Heute werde ich einen unter Euch auswählen.
Ein Kind, das zwischen Strichen stecken geblieben und unter Schatten gestellt ist.

üzeyir LOKMAN çayci
Paris – 20.12.2003
Übersetzung : NURAY LALE  
.
mein abschied
 .
in deinem sarg
ist kein frühling mehr.
wo sind
all deine blüten?
.
mein abschied
fällt
in der sanduhr
der welt
durch die große
enge
in all die anderen
gedanken.
 .
nun grünen meine
wiesen wieder.
ich wollte doch
ewig winter.
.
julia luft
.

« DER BERG » WAR DER NAME DES PFERDES VON MEINEM VATER

"Der Berg" war der Name des Pferdes von meinem Vater
Blutrot war seine Farbe
Er trug ihn niemals ohne
seine unberechenbare Waffe
bei sich...
Er ließ ihn auf den Rücken auf den Boden fallen…
Mit der Sprache der Liebe
wieherte es
Die Treulosigkeit mochte es nicht
Die Freundschaft aber verstand es sehr gut… 
Nun hat man
Von einigen die Gedanken genommen
Von einigen, das, was sie besaßen
Ihr Haß schien zu Tage
als Ihre Jugend sich aus Ihrem Leib
nacheinander ablöste...

Ihre Identität, die die Unschuldigen leiden ließ
fand Unterstützung...
Ihr Leben war ein einziges Slogan:
’Es leben die Kühe...
Tod dem vier beinigen Fliegen...”
Sie jagten einem Hirngespinst nach und
Hinter ihnen ein ungeheurlicher und furchtbringender Dämon...
Vor ihnen eine unendliche Finsternis, die die Menschen verschlingt...
Mit ihren Händen wird das Nichts in die Zukunft gesät!
Dann bekommt man den Ertrag:
Eine Papille, mit gesenktem Hauptes
Und eine Scheune ohne Dach...  

Klagelieder werden gesungen in den Kerkern  
Auf den Strassen wird das Leben verschwendet
Freundschaften bleiben in der Vergangenheit
Die Feindschaft wird tagtäglich von Neuem ins Grüne verkleidet.

"Der Berg" war der Name des Pferdes von meinem Vater
Blutrot war seine Farbe
Er trug ihn niemals ohne
seine unberechenbare Waffe
bei sich...
Er ließ ihn auf den Rücken auf den Boden fallen…
Mit der Sprache der Liebe
wieherte es
Die Treulosigkeit mochte es nicht
Die Freundschaft aber verstand es sehr gut… 

Üzeyir Lokman ÇAYCI
Paris - 09.08.2003
Übersetzung: Nuray LALE

.
mit wenig
.
mit wenig
viel gewonnen
mit viel
weniger gemacht
.
viel weniger
als mit wenig
.
manfred keitel
.
mein blaues zimmer
.
mein blaues zimmer
verkannte seinen sinn
und einsamt nun
einzig in meiner erinnerung.
.
ich höre noch die tür
durch deren spalt du
leise mich im schlaf
bestauntest.
.
mein blaues zimmer
liegt noch unter dem süßen duft
der dich umgab
immer wenn du gingst.
.
ich höre noch deine stimme
die mich schmerzlich erinnert
an deine fehlbarkeit
in meinem blauen zimmer.
.
blau schmecken tränen
in meiner stille.
türen schlafen duftend
in vergessenen zimmern.
.
ich sterbe
einsam.
.
julia luft
.
n u n
.
Milchglas-Spiegelungen
berauscht vom Nektar
der Endlichkeit
.
welke Ziffernblätter
liebe oder nicht
.
abgelaufen und gesucht
ja und nein kosten
die jeweils andere
Hälfte der Welt
.
manfred keitel
.
bahnhofsuhr
kalt und einsam
schwebst du
über allem.
.
und doch:
allein dein anblick
ist mein glück,
denn deine zeit
vergeht nie.
.
zehn
vor
halb
zwei
.
sagst du -
immer.
schöne zeit,
denn da
kommt kein zug
und
es ist
noch nicht
zu spät.
.
julia luft
.
räuberische Welt
.
die die Welt stahlen
.
die die Diebe sahen
.
schauen nur noch
in eckige Bilder
.
Fenster PCs TVs
die Diebe stahlen
.
manfred keitel
.
der Massenmörder
.
ich schöpfe aus dem Teich
kühle Erinnerungen an Gesichte
.
vor Glück wurde gerade
sein Hals starr
der Muskel pumpt
roten Lebenssaft
.
meine Finger plump
der Gedächtnisnebel
wallt in meinem Verstand
.
vor Glück wurde gerade
sein Hals starr
die Wege erbrechen
Menschen für ihn
.
meine verängstigten Pupillentiere
wuseln in ihren Höhlen
.
Zufrieden dehnt er sich
über den Horizont
die Wege erbrachen
den Menschen für ihn
.
und keiner erinnert sich
.
manfred keitel
.
Tränen Staub Ende
immer wieder Ende
.
ich nehme ein Bündel
der Enden
. ziehe mich
hinauf immer höher
hinauf mit dem Korb,
aus verdorrten Ideen
geflochten, gefüllt
mit lahmen Versuchen
.
seile mich wieder ab
an meinem Sehnerv
die staubige Spinne
fing verkrustete Fliegen
.
eine Faust
voller neuer Anfänge
ist alles was kommt
brettert einfach jedem
in die Fresse wie die
Holzhammernarkose
.
manfred keitel
.
Die Musik, das Weinen und
das Lachen beginnen
dort, wo die Worte aufhören, und
kommen, um
zu öffnen.
.
Sie schwellen an und steigen aus
dem Abgrund empor. Sie schwemmen uns
weg, sie reißen uns mit
ihren Wogen, und keiner vermag
ihnen zu widerstehen.
.
Sie treiben uns mitunter aus
unserer Vernunft oder
aus unserer Welt;
.
und wer den Widerhall
nicht spürt, der spürt auch nicht das
wahre Leben.
.
e-lis
.
komm wieder
.
mein gott, du hier
wie lange schon
vernetzt .. sind wir
.
bist einfach nun
vertraut und unverkrampft
wie .. ewig da
.
neben ein ander - beide wir
ganz furchtlos .. anzuschaun
behutsam, welterfahren, schön ..
.
in dieser nacht ..
geschlüpft bist du
in meinen traum
.
PeT
.
so menschen wir oft
.
kleines, Herz,
kleines Herz
schlägt
.
im Mauseleib
.
mause, Leib,
dein Leben
lang
.
als Möglich
.
manfred keitel

.
er kratzte sich ausdauernd am Schädel
mit den Jahren gingen die Haare
weisse Flocken abgestorbener Haut schneien
auf seine müden beschwerten Schultern
.
immer weiter Grübeln bis zum Schädelknochen;
wie Porzellanscherben fiel es porös geworden
darunter Windungen eines Labyrinths
zuckend wie Gewürm; ein Ende wurde herausgezogen
und abgerollt und stur gerade gezurrt
war dick dann wieder dünn aus der Verschlingung;
.
ein Ende platzte und es stinkt nach Scheisse
mit den Jahren wird alles verdaut
abgestorbene Hirne leben da deutlich länger
aufrechte Kadaver wohin man sieht
.
manfred keitel

.
Morgens

Am Spülsaum des Schlafs
streife ich dir
das Traumkleid
vom Körper
und bedecke dich
mit meinem Atem
bis deine Finger
Wind säen
auf meiner Haut und
im andrängenden Licht
die Nacht
im Sturm
aus den Angeln bricht

Dietrich Pietsch


.
Ich sagte: Bei allem was mir heilig ist,
doch was ist das schon?
Sind es Ideen?
Kreativität?

Ich hatte das Gefühl mir selbst fremd zu sein,
ich weiß das ist schrecklich,
damit scherzt man nicht.
Dennoch - so war es wirklich.

Ich war mir lange Zeit fremd,
in meinem Kopf.
Doch ich freunde mich wieder an,
endlich.

Doch bin ich genau jetzt zerbrechlich.
Wie eine Porzellanfigur,
eine Ballerina auf Spitzenschuhen.
Die dreht sich langsam im Kreise.

Ist nur darauf bedacht nicht abzubrechen,
denn dann würde sie härter als zuvor landen,
dort auf dem Boden,
würde sich den Hals brechen.

Doch ich würde es nicht merken,
noch immer betäubt von den Schmerzen,
den Nadelstichen tief in meiner Seele.
Es wird kein Faden durchgezogen.

Deine Worte, deine Versprechungen,
verletzender als jede Beleidigung - und nun?
Von Angesicht zu Angesicht.
Stell dich mir - Feind.

Kämpfe nur mit den Waffen die du hast,
egal ob Freund oder Feind.
Im Angesicht seiner Muse,
wird sowieso jeder zur Bestie.

Es ist egal was ich mache,
ob ich mit dir oder gegen dich kämpfe.
Vertrauter Feind.
Du wirst dich sowieso nicht an mich erinnern.

CloudOfPoison
.
sitz auf der bank, rauch ein kippe
in der hand der kaffee, an dem ich nippe
schau bedenklich, zufrieden in die wolken hinein
und freu mich 15 minuten allein zu sein

nach 20 minuten ist die pause zu ende
spüre wie ich die knochen verrenke
seufzend tauch ich in die masse hinein
und träum davon allein zu sein

ich vernehme ihre leeren worte
es gibt zuviel von dieser sorte
hohle phrasen schlagen auf mich nieder
die kopfschmerzen kommen wieder

höre dumme fragen,die nicht enden
sag zu mir "dann probiers doch mal mit denken"
jeder versuch der erklärung der frage versagt
"warum bleibt mir das nicht erspart ?"

so sitz ich am fenster, betrachte die wolken draussen
versuch zu vergessen, nichts zu hören, nicht zu lauschen
ich warte auf den sonnenschein
und wünsche mir allein zu sein

und dann werd ich aus meinem traum gezerrt
" ist was nicht in ordnung, läuft was verkehrt ?
du bist so selten hier und dich dann so zu sehn,
ich erzähl dir was mir passierte, dann wird´s die besser gehn ! "

plötzlich spür ich den druck, der in mir wächst
sehe den grund, der mich entsetzt
und zum erstenmal an diesem tag
öffne ich den mund und sag

"ich stell mich taub, um nichts zu hör´n
ich schliess die augen , um nichts zu seh´n
ich wünsch im stillen, dass die zeit vergeht
und wenn ihr die sprache der stille nicht versteht
dann schrei ich es euch ins gesicht
LASST MICH IN RUHE
ICH LIEB DIE WELT
ABER EUCH
EUCH MAG ICH NICHT

Thanatos
.
Riesige Felder aus schwarzen Tulpen,
sanftes schimmern im Mondschein,
keine Wolke trübt den Himmerl.
Milliarden von Sternen.
Ich strecke die Arme aus,
lasse mich in das Meer fallen.

Grenzenloses Glück - momentan.
Ich fühle meine Seele,
sie fehlte mir lange.
Es ist kein Teufel da.
Gott gibt's nicht mehr.
Ein Leben dazwischen,
zwischen Gott und Teufel,
zwischen Himmel und Hölle.
Ein Leben hier!

Herausgekrochen aus dem tiefsten Loch,
helfen konnte mir keiner.
Konnte das Licht nur erahnen.
Bin darauf zugegagen,
zugegangen auf meine Hoffnung.

Habe darauf vertraut.
Habe es erreicht.
Habe mich aus der Dunkelheit losgerissen.
Habe nach dem Licht gegriffen

Lasse es nicht mehr los.
Kralle mich daran fest.
Ich will nicht mehr ins Dunkel zurück

CloudOfPoison
.
Nicht mehr
.
als ein Murmeln des Windes
hinter hohen Mauern.
.
Bäume und Steine:
Schatten mit blättrigen Stimmen
und verlorene Stimmen.
.
Verschlungen
in letzter Umarmung:
Wind und Stille
Stimme und Stein.
.
Dietrich Pietsch

.
falscher weg

ein wanderer ging einst entlang
voller mut & tatendrang
ein bach ihm da den weg versperrt
& weit & breit kein übersteg
da dacht er sich, es wird so sein
ich hüpfe über stein zu stein
doch dachte er wohl nicht daran
daß mancher stein auch wackeln kann
so kam es dann
total verzwickt
er stürzte
& brach sein genick
.
thanatos
.TEXTE - FRUEHJAHR - 2004
DIE ZELLE MIT DER NUMMER 2000
 
Die Erde
Ist der Müllhaufen von Rosen,
Die von ihren
Stiegen abgeschnitten sind...
Nur eine Uniform
Tragen die Menschen...
 
Ein Wettlauf im Himmel...
In dem Licht die Microbe
In Microben das Licht...
Auf die Rücken der verbrannten
Schmetterlingsflügel
Sind die Spiegel geladen...
 
Über dem Meer
Herrenlose Drachen...
In der Falle der Nächte
Vergehen Kinder...
 
Niemand bietet « Einhalt… »
An der Spitze der
Versinkenden Freiheit haltend
In den Herbergen
Die Menschen verschlingen...
 
Das, was sie hinterlassen
Sind die Spuren,
Die wir anschauen...
Das Leid hört nicht auf
Zwischen den Maschinen,
Die Tränen erzeugen...
Die Wurzeln sind draußen
Der Zelle mit der Nummer 2000...
 
Üzeyir Lokman ÇAYCI
Mantes la Ville – 12.06.2000
Übersetzung : Nuray LALE

.
glänzende fäden
zieh ich
aus dem stoff der zeit.
durch meine hand
rinnt
die ganze welt
im losen moment
und haut
brennt
darunter sehnsüchtig.
 
silbrige fäden
winden sich
aus kleinen verheißungen
ohne form
um mein leben
zu trauern.
nur frühlings-wegen
erglitzern diese stoffe
die welt
die sie erschaffen.

julia luft

( .. als sich mein rucksack
unter meinen fingern auflöste )

.

.
Veränderung
.
Wie soll ich
je wieder
Hand sagen
Mund
Haut
jetzt
da die Worte
anders klingen
maßlos und wild
als stürzten sie
aus der Nacht
.

dietrich pietsch
.
Ind(ianisch)er
.
wie es mir denn geht? fragst du
.
vertraut weisse Gesichter verkanten
rollen ihre Augen durch das neue Land
suchen nach ihrem Ich und zwacken Dornen
aus dem Fruchtfleisch der Wahrheit;
harmonisiert verenden Angst und Schrecken
die ehern geschmiedete Warheit enthebt
weisse Fressen dem gehimmelten Leben
.
sie marschieren immer weiter starr
geradeausgerichtet am Zufall vorbei
das liegt scheints in den Gähnen
.
wie es mir geht hast du gefragt - und
ich antworte indem ich Dinge verschweige
und du antwortest mit so kann es sein
du antwortest mit deiner eigenen Frage
den ultimativen Fick verpassen wir beide
onanierend im Spiegelbild der Sehnsucht
.
manfred keitel
.
ErklärungsVersuche
.
Immer möchte ich alles wissen.
Aber nicht, was sie mir erzählen.
Ihre Lippen bewegen sich ständig
und die Worte dauern Jahrzehnte.
Weil sie alles schon wissen
kann ich es nicht verstehen.
Ihre Hände bewegen sich dabei
nicht zum Takt der Musik,
deshalb bleibt mein Tanz einsam.
Und wenn ich ihre Bücher lese
spüre ich ihre vergifteten Herzen
schmerzlich zwischen den Zeilen.
Wie sie mich einnehmen
und in meinem Blut schwimmen
als hätte ich mich nicht gewehrt.
.
Ich bin ein Mensch
unter Menschen
die selbst nur
Menschen
unter Menschen sind
und mich
zum Menschen machen (wollen).
.
Und mein Geist
könnte der
eines anderen Menschen sein,
(als hätte ich mich nicht gewehrt)
ohne dass ich es merke.
.
Vielleicht
ist er es ja,
und meine Worte dauern Jahrzehnte
und meine Tänze kennen keinen Takt.
Und mein vergiftetes Herz
schwimmt im Blut
Deiner Adern!
.
Dann vielleicht
will ich doch nicht alles wissen.
.
Julius
.
ZEN der letzten Tage
.
tacklos ratterts ratlos
der Tag wälzt sich
im Asphaltabflussbett
.
über Dächern
Flügel Krallen Blicke
weiter oben
Flieger ohne Schnabel
.
Zähne auf Blütenblättern
Glasregengitterstäbe
vor der Kristallsonne
.
selbstverstümmelte Zeit
liebgewonnenes Elend
künstliches Atmen
auf nichts mehr warten
.
manfred keitel
.
morgens immer
begegnen sich blicke
manchmal scheu - fröhlich
manchmal scheu - abweisend
manchmal glücklich - lächelnd.
und immer
begegnen sich dabei leben
erzählen ihr herz
berichten kühne taten ...
schweigen unglück.
 
nachts immer
erinnern augen unruhig
manchmal einsam - suchend
manchmal einsam - trauernd
manchmal glücklich - lächelnd.
und immer
erinnern sie sich der blicke
grübelnden herzens
kühnen mutes ...
bedauern sie scheu.
 
Julius
.
Neues Deutschland
 
Verfassungswidrig tagt der Kanzler weise,
Sozialverbände streichen Rentner weg,
Sonderparteitag mehrheitlicht vor Schreck,
Patienten sterben bittrer Pillen leise.
 
Die Reform zieht solidarisch ihre Kreise,
nebenbei erhält die Werbeflaute ihren Zweck;
Menschenrecht im sicherheitspolitischen Versteck,
Deutschland fährt fest auf neuem Gleise.
 
Und nebenher das größte Kirchenfest des Jahres,
da erfindet sich schnell neues "Wahres" -
ein Abendmahl für jedermann muss her.
 
Atomsprengköpfe gibt es auf der Preisverleihung,
Friedenspläne bitten Soldatentote um Verzeihung;
Deutschland - Reformkrieg lastet schwer.

Julius
.
in meinem herz wohnt eine coladose.
die haben sie dort eingepflanzt
als ich dachte mein wille sei frei.
in meinem haus wohnt ein toastbrot.
das haben sie dort versteckt
als ich nachts ihren traum träumte.
.
der zweite fernseher im schlafzimmer
ist das bullauge des schiffskapitäns
der selbst die route nicht kennt -
ein matrose löschte sein gedächtnis
versehentlich
als er die coladose darin vergrub.
.
glaub bloß nicht du hättest die wahl -
sie ertrinkt im braunen zuckergift.
.
julius
.
Wintermorgen
.
Im Fenster
gläserne Zweige
gerahmt
von unmündigem Licht
verführt
strecken sie ihre Finger
ins Leere
suchend
wie meine
auf weißem Laken
nach einem Rest
Wärme
von dir
.
dietrich pietsch
.
Blaue Wächter
.
Ich konnte es kaum glauben,
Doch was ich sah waren deine blauen Augen.
Weg zu schaun ging immer schlechter,
deine Augen wurden meine blauen Wächter.
.
Waren für mich Wächter am Tag
Und Führer in der Nacht,
Auch wenn sie mich nicht sahen,
so war ich immer gut bewacht
.
Ich denk an dich,
Wie du an mich,
Bin nie allein,
Hab ja die Wächterlein.
.
Auch du brauchst niemals Angst zu haben,
Hab jemandem etwas aufgetragen,
Solltest du allein dich fühlen oder schlechter,
Mach dir keine Sorgen, du hast ja meine braunen Wächter!
.
oliver j. udge

.
gleich gültige Voyeure
.
.
die kleine Wolke sah
der Tag verschlang sie alle
die letzten Sonnenstrahlen
.
die Nacht zog sich hoch
an der orangerot träge
rauschenden Herde hoch
die glockenstill bimmelte
.
...
.
millionen kreisende
Schaulistige sammelten sich
zwinkern hier da und da
durch die Atmosphärenhaut
.
schauen Spitzohren auf
spitzen steilen Dächern
zu spitze Katzen spähen
durch die Augen der Häuser
.
schauen Pornos glotzäugig
geräkelter Geschlechter
Mutter und Muttermann häkeln
stimmlos laut guckend
auf flächig gemachten Raum
stumpf ballend am Ballen
.
...
.
die kleine Wolke sie pisst
und die Samenkapsel platzt
neugierig dem Licht hinzu
um zu sehen; den Tagesstern
.
manfred keitel
.
Anstalts-Liebe!
.
in einem kalten        komfortablem Haus
gab es Sympathie        recht günstig
für eine Kippe:        eine kleine Liebe,
und jäh doch gab es        unter deiner Haut
ein unbezahlbares        Lächeln und nichts
zum verkaufen       etwas das freigekuschelt
werden sollte
.
sie schnitten dich        in kleine Fetzen
portionierbar du        als ihre Wissensquelle,
und doch blieb        ein wenig dieser Liebe
unter meiner Haut        das Erbrechen
des Schweigens        ist meine Zärtlichkeit
.
manfred keitel
.
Ich möchte Dir auch gern mal die Stimme rauben-
mit einem Kuß.
Deinen Körper erstarren lassen-
mit meinen Berührungen.
Dein Herz rasen lassen-
durch meine Gefühle.
Die Sonne Dir zeigen-
durch mein Lächeln.
Den Regen Dir zeigen-
doch Dich nicht nass werden zu lassen.
Und warum?- weil ich Dich so mag!
.
rain
.
mit dir einschlafen 
dich atmen hören
dich fühlen
deine wärme
deinen mund
dann versinken
.
in die arme der nacht
.
mit dir erwachen
dich atmen hören
dich spüren
deine wärme
deine hände
dann versinken
.
in die arme der lust
.
elis
.
und Henker
.
.
sie stellten ihn
auf ihr Podest und
er musste töten
er durfte töten
.
er stellte sich
auf *sein* Podest
.
breitbeinig
aufragend
wie ein strenger
Fingerzeig
für die Seelen
leerer Körper
.
Ja,
sie stellten dich
auf dein Podest und
du musstest töten
du wolltest töten
müssen!
.
Rüben platzen
wie Gemüse.
*Schädel* platzen
und du stehst
auf deinem Podest
wie an einer Schießbude
mir gegenüber
.
und auch
ich stellte dich
auf dein Podest
und ich machte dich
zum Mörder und
du bist schuld
weil ich schuldig bin
.
hier eine schraube
und
dort eine mutter
und
.
du willst töten
weil ich richte
ich will richten
weil ich sterbe
und der Tod nur so
Gesichter bekommt
.
du stellst dich
auf unser Podest
du musst töten
du darfst töten
du willst töten
dürfen!
.
wir stellen uns
auf das Podest
doch wir stellen
uns niemals (!)
dem Leben
.
manfred keitel

.
an zerknitterte scheiben
rumsen die flocken
fallen mit hohlen strophen
ins schneeweisse feld
.
drüber die grosse kugel rollt
glänzend gerüsteter cocoon
prägt leuchtende sterne
neben blutrote streifen .

hinterm bullauge das antlitz
des reichsverwesers
verkniffen
ins
fersengeld gebettet
.
wie irre polternd
durch geronnene pfützen
geplatzter blasen
fruchtloser nachgeburten ..
.
PeT
.
Anklage des Schimmelkäses
.
Ihr schlagt Euch
meine Wunden,
das Mull der Miet-
menschlichkeit
presst Ihr (!) auf
mich - Ihr seid
der Käse, ich bin
der Schimmel!
Ihr schlagt Euch,
meine Wunden,
um mich!
.
manfred keitel
.
So oft hörte ich das Gehen
vor mir
weiß
es nimmt mir die Jahre
die nie kommen werden
hinter mir
Schwarz
die Schriften die bleiben
schmecken wie Neige.
.
Wie oft noch
leere ich das Gehen.
.
alessandra mancinelli
.
Aastanz
.
welchen Sinn hat
das Leben wenn
wir Leben
.
für unser Leben töten
und welchen Sinn
hat es, dem Leben
Leben zusterben
zu lassen?
.
welchen Sinn hat
der Sinn wenn
der Sinn ohne Leben uns
spaltet bis zur Wurzel?
.
manfred keitel
.
Windformen
.
Es war nur der Wind
der nach mir rief
und  mir zu nahe kam
als er die  Bergflanken
leckte
und Schneedünen zeugte
.

monika wegscheider


.
2123
.
Kronen über uns Kronen
Grünes dicht an dicht
Luft und bald
Licht sind wir
blasse Schatten
unter Kronen
wächst zusammen
der Wind
erreicht
uns nicht
.
nicht uns
.
uns deckt Laub
Laub deckt uns zu
wie ein Kuss
für einen röchelnden Mund
.
alessandra mancinelli
.
Hier ist es gut-
Wurzeln schlagen
könnte ich wohl,
doch nicht entlang
der Mauer kriechen
und nicht gestutzt,
beschnitten werden.
.
Wachsen möchte ich-
so hoch,
dass ich noch
die Welt überschauen kann.
.
elis
.
bodenständige liebe
.
leere Momente funkeln während
unser selbst so süß verbrennt
.
Verliebtheiten zweiten Grades
machen matt und nass die Haut
.
hitzig verdampft uns die Lust
Seelen-Steppen treiben Blüten
.
die Liebe verteilt die Sporen
ich liebe die Vergänglichkeit
.
eine handvoll irdenes Fleisch
walk ich im Rythmus der Zeit
.
manfred keitel
.
Blau
.
Als stolperte sie
zögerte
dem Moment entgegen
indem sie Luft hebt
Sekunden schluckt
sich faltet
sich mit einem Auge zu.
.
Im Bauch der Abschied
nichts winkt
erschüttert
die Wimper auf der Wange
ein Moment
.
für dich
für mich
ist es Zeit
sie zu sehen.
.
alessandra mancinelli

.
Selt-Same

Es fällt mir schwer in deinem Gold
zu denken, das Kalte wärme mich
wie eine Katze auf dem heißen Dach.

So oft ich in den Regen trete, so oft
ich zwischen den Tropfen stehe,
umso zäher wird mein Wille.

Ich bin der Sirup in deiner Fliegenfalle.

Lass deine Pracht für die Nacht, die
mich versengt, mit all meinen Namen
die du stöhnend rufst und höre -

du wirfst Schlingen in meinen Mund.

Die Tage streichen meinen Schatten
wie ich die Zahlen vom Blatt trenne,
doch insgeheim singe ich für mich

seltsame Lieder, sie garen rostfarben und rot.

alessandra mancinelli

.
als ich die blume pflückte
ward mir klar
ihr leben ist vorbei, sie wird in meinen händen sterben
was vorher die freude war
an ihr zu riechen, ihren duft
sie zu bewundern, die farbige pracht
sie zu fassen, an ihrem stiel
ist jetzt vorbei, ist nun die trauer
denn nur sie zu pflücken, war das was mir gefiel

thanatos
.
diese nacht
still und heilig
die menschheit schläft
wache halten
die rauchpfanne
der rosenkranz und das gebet
pakete und goldlametta

zäh
die letzten dezembertage
der weihnachtsbaum stirbt
stumm
fallen flocken
auf hungernde gräser
ein zarter flaum
ein hauch
watte
auf gefrorenem boden

in diese böden
lässt sich kein baum pflanzen
schon gar nicht
ein traum
höchstens ein grab schaufeln
nicht mehr

kein platz für träumer
hier
frisst der alltag
die stunden
zerschellen rosen
an ererbtem
dunkelrot und gelb und weiß
verliert sich
im ahorngerippe
nistet das grau

der mond
schmalbrüstig
die stählernen spitzen nach unten
absteigend
zerteilt er die wurzeln
die in den himmel wachsen
blut in vielen farben
tropft auf samen
saat und frucht
verfault

sterne wünschen
nicht mehr sterne zu sein
abgründe tun sich auf
tiefe, schwarze,
engel flüstern sich's zu
nichts bleibt wie es ist
herodes lebt
zeichen des kreuzes
K + M + B
und die jahreszahl
am geschnitzten türbalken

elis

.

Gebenedeit seist du

.

Gebenedeit

seist du

Tag

an dem Schnee fiel

bis der Himmel sich senkte

auf die ungewogene Zeit

gebendeit

seist du

Nacht

in der ich wachte und schlief

zwischen dir und den Schenkeln

die müden Glieder gestreckt

gebenedeit

seist du

Hand

die meinem Rücken entlang

sich in die Beuge verirrte

bis ich wachte und wachte

gebenedeit

seist du

Mund

der mich wortlos erschloss  

und  ich erwachte und schlief

mit dir und mit mir

gebenedeit

seist du
.
monika wegscheider

.
an mich
.
du bist keine froschkönigin.
dein antrieb ist die einbildung.
wenn du in dich horchst
schlägt dein herz wie jedes -
kontinuierlich.
dein atem ist kein goldregen
und mit deinen gefühlen
bist du nicht allein.
deine nachtqualen aber
trägst du selbst in deine träume.
verschließe einmal das burgtor
und lass
das schlossgespenst erfrieren
deinen geist weitreisen
dein herz frohschlagen:
hör wie die harfenspieler
dein fröhliches lied singen
und das kinderlachen
durch deine seele hallt.
.
julius
.
gerade eben
.
ich will keine zeitung lesen
und auch keine romane
und erst recht keine fahrpläne.
wer bin ich,
wo bin ich?
und wo soll ich hin,
wenn die züge so schnell rollen,
die menschen so schnell reden,
der tag so schnell zu ende geht,
ich mich einsam fühle,
unter tausend menschen,
und zu zweit bin,
wenn keiner da ist?
.
wer macht die tür zu,
wenn alle gehen,
die welt steht,
und alle sterne regnen
.
julius
.
im traum
.
muss ich immer zu dir aufsehen.
vor deinem angesicht bleibe ich stumm.
was deine wachaugen erzählen
kann keine gottheit erkennen.
deine flügel erheben sich
über meine seele -
wenn ich aufwache
kannst du nicht mehr fliegen.
.
julius
.
mein herzbrunnen
.
alles bleibt
wenn ich meinen ballschuh
auf der schlosstreppe verliere.
mein bruder
geht nie mit mir im wald
und den giftigen apfel
musste die mutter selbst essen.
drei wünsche
vergaben die waldfeen schon.
das verstaubte spinnrad
gibt kein gold mehr her.
. 
an deinen zorndornen
ist kein tiefschlaf
und du bist
auch kein frosch.
ich würde dich
prinzküssen.
einzig der jäger
verfolgt mich noch.
so wandel ich
und alles bleibt
im herzbrunnen.
.

julius
.
November
.
Unter der Last
des Nebels
stolpert der Tag
über den See davon
und vor meinem Gesicht
hängt im erfrorenen Grau
dein Atem
Starr steht das Schilf
und still
Nur meine Hände
flattern
wie zwei Vögel
in deiner Manteltasche
Komm
Gib mir den Sommer zurück
.
Dietrich Pietsch
.
Du--
Was wäre ich nur
wärest du-
wärest du nicht
bei mir
wärest du ohne
mich
wäre ich ohne
dich
wäre ich allein
was wäre-
wäre ich
.
allein
.
zoe
.
Die nicht wissen, ob sie vertrauen können,
die manches nicht aussprechen,
was das dazwischen betrifft...
die sitzen in einem auto,
dass immer wieder stehen bleibt
da wächst eine pflanze,
die immer wieder welkt und läuse lockt
da treibt das boot in einem fluss,
der in sümpfen seine kraft vergeudet....
die nicht wissen, ob sie vertrauen können
verhalten sich so,
dass man ihnen nicht trauen kann
.
das ist
ein haar in der suppe
ein sandkorn im uhrwerk
ein schatten im licht
.
Herr Satorius
.
vor:zügl:ich
.
sie hatten doch !
nicht .. mal begonnen
da schienen sie schon !
am end
.
der saft war !
gleich .. einem geronnen
vorschnell hats der andre !
verpennt
.
was beide vereinte !
blieb .. hängen
so fühlten sie .. weiter !
sich .. nah
.
sie konnten zusammen !
nicht com.men
doppl:sarg:geburt
mit avatar
.
pet
.
die neue Nachtmusik
.
Den CD-Player geladen,
ich drücke ab!
La lala la lalala
ich lalalalausche
schubi du schubi
lalalangsam schlalalafe
ich schubi ich
.

manfred keitel
.
die Tugend von Meuten
.
ihre Großväter
entvölkerten Länder
zum bevölkern
ihre Münder singen
diese alten Lieder
ihre Kehlen gurgeln
mit rotem Wein
ihre Lippen lefzen
exotische Nippel
.
manfred keitel

.
wie Gewalt entsteht
.
fett bumm bumm
gestiefelgetyp
händerauh
wupp himmelhoch
obenuntenoben
patschrein
.
wiegenträume
geschüttelt
die ichfragmente
spiegelscherben
geordnet
strenger augen
.
strukturanpasung
zwischenraum
oberhalb
gefallen
zum gefallen
.
manfred keitel
.
Arbeit ist das halbe Leben
Sterben das andere
.
in der Schule des Lebens
lernten wir eilig zu sterben
Nikotin raucht mich und ich
schraube mir Zigaretten rein
gegen den Streß durch die
Abwesenheit von Streßmomenten
die Zündung zu meiner Leber
ist schon gezogen, so stehe
ich mit einer Stange Dynamit
im Arsch der Zeit entgegen
das hat seine Ordnung
manfred keitel
.
hunger

erzähl mir, wie du deinen hunger stillst
in einer zeit wo es nur fertiggerichte gibt
wo ist die würze der speise
ich habe es satt zu hungern
& es wird zeit das essen selbst zuzubereiten
sonst essen wir & werden fett
essen & werden fett
essen & werden fett
& der hunger wächst
bis wir platzen

ich warte auf das nächste abendmahl

thanatos
.
pan´s erbe

fragen nur zur rechten zeit
ansonsten hoch die heiterkeit
nur der dumme will stets denken
einen anderen wagen lenken

der weise lacht über die welt
hat sich schon längst zu ihm gesellt
die einsicht seines kurzen lebens
auszureissen ist vegebens

durch akzeptanz der gefangenschaft
hat er sich wieder aufgerafft
das leben zu sehen wie es ist
das schönheit auch das auge frisst

einst war er ständig auf der suche
schrie und folgte seinem rufe
doch konnte er nie was ergründen
er stoppte suchen, began zu finden

und fand heraus, das was geschieht
er nur mit seinem auge sieht
so wollt er nicht mehr mit ihm sehen
vielmehr durch es die welt begehen

das neue ihn mit ehrfurcht ehrte
über bord die alten werte
da ist kein platz für heuchelein
ich hab zu leben...ihr könnt ja schrein

thanatos

.
Nein
ich bin nicht verrückt
ich esse die suppe
mit dem löffel
und häng meine kleider
in den schrank
ich geh nie stundenlang
allein durch den wald
und meine gedanken
in der nacht
sind meine

aber manchmal
wenn eine nacht so lang ist
und der mond so bleich
kredenz ich den schwalben schnaps
und borg mir
ihre flügel


elis

.
Mein Engel

Von Stadt zu Stadt zog sich
ein unsichtbares Band,
das mich mit dir verband.
Nun wachst du über mich.

Unmerklich - es schlich beinah,
doch nun sehe ich es ganz klar.
Ohne Antlitz, ich spüre dich;
weiter wachst du über mich.

Wie ein Hauch, der mich verhüllt,
umgibt mich, verwirbelt sich,
was mich von fern erfüllt:
Du wachst immer fort über mich,

Mein Engel.


zoe
.
MEIN LEHRER

Dein Werk sind es
Alte Kinder am anderen Ende der
Gefühlslosigkeit...
Sie halten sich am Eigeninteresse fest,
Nach unten stirbt eine Generation ab...

Je mehr sie von der Kannte verschnitten werden
Erscheinen Rebellion erzeugende Bilder
Unter einer gedeckten Theke
Produzieren die Läuse die Drachen...

Der September ist in ihren Augen
Mit Hass erfüllt
Das Nest der Leute,
Die eine günstige Gelegenheit zu nutzen suchen
Eine Bleibe, in der die Liebe vernichtet wird
Und...
Woran sie eine Hoffnung anknüpfen
Ist eine Stütze
Hinter dem der Abgrund liegt...

Lieber Lehrer,
Bevor die Quelle der Werte ausgeht
Versuche dich anzunähern
An die Kapillargefäße
Der Jugend...

Komm näher
An die ausgehende Sensibilität
Bevor die Zeit davon läuft...

Ich weiß
An deinem Kragen sind zwei Hände...
Du bist in deiner inneren Welt nicht frei
Während der Morgen
Mit Sorgen vor dir erscheint...

Rechts von dir die Geschnisse
Links die Geheimnisse, die dich übel zurichten
Die Quelle deiner Sorgen
Ist der, in dir wachsende Morgen...

Deine Werke
Können nicht nur dich nicht sehen,
Sie sehen sich selbst auch nicht...

üzeyir LOKMAN çayci
Paris - 30. 04. 2001
Übersetzung : Nuray LALE
.
Ach, mein Freund
Noch weiß ich nicht ob ich dich lieben oder hassen soll
Es ist die Tugend die ich vermisse
Ich liebe deine Schönheit in der du strahlst
Aber hören Ohren nur auf den schönen Schein
Gleich den Insekten, angezogen vom Glanz der Blätter

Wahrlich, dies könnte sein, voraus gesetzt Insekten

Zeig, mein Freund, wo ist deine Blume
In welchem Glanze schimmert deine Blume der Rede
Zeig, mein Freund, wo steht deine Blume
Auf welche Wiese darf ich sehn

Welche schöne List steckt in dem Glanze

Sag, mein Freund, welches Licht wärmt deine Blume
Strahlt es hell genug, um deiner Blume Kraft zu schenken
Kraft genug um sich zum Baum zu verwandeln
Kraft genug um Licht zu werden
Kraft genug um Insekten anzulocken


Ach, mein Freund
Doch hasse auch ich diese Schönheit
Sie lockt Hyänen und Bären an
Sich im Glanze zu wälzen und
An der Rinde die Krallen zu kürzen

So stürmen sie in den Garten der Schönheit

Fliege und Biene
Hyäne und Bär
Nehmende und Vernichtende

thanatos

.
Endlich

Stille und Steine,
du drehst um
Steine, dich.

Ihr liegt da,
Reste eines kargen Mahls,
ich neige dazu,
still seh ich ein,
Stille dreht um Steine,
dich regt sich an mich,
du neigst mir zu,
ich liege da,
Mal einer Stille.

Du drehst dich um.
Stille und Steine.

alessa mancinelli
.
bei grellem spiegellicht
find ich mich .. einmal wieder
unter des jahres kunterbuntem laub

ein später sommerwicht
rotiert noch über meine glieder
verwirbelt dabei letzten elfenstaub

ich zähl die zeit
zu meinen 'bessren tagen'
floss in dem grossen ganzen, liess ihm seinen lauf

was gab es da
nicht alles .. neu zu wagen
nun sicher endlich : wir stehn wieder .. auf

PeT
.
f*cken b*tte ?!

unruhig hibbeln sachte Worte
glänzenden Schneckenspuren
unserer Verlegenheit entlang -
sammelst du Briefmarken?
verstehst du was ich meine?
meinst du was ich verstehe?
so viele Sterne hinter Stirnen
ertasten sich von mal zu mal
an der Oberfläche mit Worten
die nun alles zusammenfügen
feucht und eng.

manfred keitel
.
Zuhörer

Du sprichst wieder
im Schlaf.
Warum bleibst du,
frage ich
und weiß nicht
wer antworten soll.

alessa mancinelli
.
Nächtliche Momentaufnahme II

Wenn nichts als Schwärze
zwischen uns
gehen die Worte
auf  Zehenspitzen
hin und her

Bis Worte und Körper
in gleicher Wärme
hautnah sich
aneinander legen

Dann spricht nur die Stille
und draußen
rütteln die Schatten
vergebens am Fenster


dietrich pietsch
.
ver´gangen´heit

ver´gangen´heit
was ist das ?!?
ist es das gewesene
ist es das jetzige
ist es das was vor uns liegt

kann man , muß man , darf man
ver´gangen´heit
leben , erleben oder bewältigen
fragen ?!?

muß man ver´gangen´heit leben
um leben zu können
muß man ver´gangen´heit haben
um leben zu können
muß man ver´gangen´heit bewältigen
um leben zu können

fragen , fragen nach der ver´gangen´heit
wer kann sie beantworten ?!?
die ver´gangen´heit , das leben ,
das leben in der ver´gangen´heit

wer gibt die antworten ?!?
die ver´gangen´heit
die gelebte ver´gangen´heit
die bekämpfte ver´gangen´heit

fragen , frage , frag , fra
wer kann sie beantworten ???
die VERGANGENHEIT

hardy stelter
.
im schlossgarten
 
mit donnergrollen
brach der harte fels auf
im innern jungfräulich-rein
erblühten blumenwiesen
tanzende lichtstrahlen
vertrieben schattengestalten
und märchenfeen
spielten im rosengarten-
 
sogleich
enterten harfenspieler
die kinderseele
und sangen trauerlieder
piratenköche
rührten blutwein
der taugenichts
stahl die junge rose-
 
nun weint die froschkönigin
ihre nachtqualen
ins dunkle verließ

julia luft

.
mauskettenhemd

ironie, sarkasmus
mal zynischer sinn
frontal wie nen schild
trägt mans .. vor
sich hin

geh nicht
ach mädchen
nicht so .. darauf ein
nimm sticheln als necken
mein töchterlein

diese spitzen
oft brechen sie
durchs schützenhemd
aussen hart texturiert
innen bloss .. pergament

PeT
für julia
.
leuchtpuls

glaub ja nicht .. dass
du dich langweilst
mein kind
geh in dich
hör nicht auf
den hektischen wind
der draussen so hastig
und laut .. viel zu bunt
an die tür schlägt .. gleich
einem toll wüt´gen hund
nun schau doch : du bist
nie wirklich allein
zieh ein paar .. kreise
in dich hinein

PeT
für zoe

.
GEBT MIR MEINE BLUME ZURÜCK
.
Ich weine stets um mein Schicksal
Ich laufe wie ein Irrer mit meiner Liebe durch die Gegend
Ich bin mit ihr, ohne sie ein armseeliger
Gebt mir meine Blume zurück.
.
In meinem Garten war alles schön mit ihr
Ich lernte durch sie die Liebe kennen und erlebte sie
Ich liebte das Leben und erfreute mich mit ihr
Gebt mir meine Blume zurück.
.
üzeyir LOKMAN çayci
Istanbul - 1979
Übersetzung : Nuray LALE
.
zwei in einem .. brot

schon schaut` er sich
geraume zeit
die augen aus
dem laib
wo mochte nur
die holde sein
zum frohen zweitvertreib

das brot lag frisch
gebacken längst
und dampfend ihr bereit
wohl zog sie`s vor 
nur drüber her
zu ziehn in dünnem kleid

nun all das schien
ein sinnbild bloss
schwebt` vor ihm übern tisch
aus heissem dampf
vom krustenbiss
neben dem grätenfisch

PeT - 07/09/03
.
MEIN ALLES
.
Habe dir Gedichte vorgelesen, für dich Gedichte geschrieben
Meine Gefühle sind für dich, mein alles
Die Trennung von dir war wie der Tod für mich
Ich habe mich schwer daran gewöhnt,
Ohne dich zu sein, mein alles.
.
Mit deiner Schönheit warst du in meinen Träumen
Ich ließ dich in mir weiterleben, mein alles
In deinen Blicken war ich auf innere Reisen
Ich habe mich schwer daran gewöhnt,
ohne dich zu sein, mein alles.
.
Üzeyir Lokman ÇAYCI
Frankfurt - 1980
Übersetzung: Nuray LALE
.
So viele Sommer schon
.
So viele Sommer schon
trägt meine Haut
in den Falten
heißer Nächte
nistet sich Herbst ein
in goldenen Tönen
singt er von Abschied
Noch riechen die Poren
nach Süchten und Hitze
wenn auch meine Sohle
schon kalten Tau berührt
der von der Kühle spricht
dem  Frost nahender Winter
und der  Ewigkeit
die von Blumen bekränzt
und von Dornen
die  nicht mehr stechen
.
Monika Wegscheider
.
Pillen Eden
.
__ __
(__|__)
.
kannst nicht schlafen?
eine Schlaftablette!
kannst nicht wachen?
nimm das hier
.
das Frühstück mag mich
nicht so recht ansehen
ich räkel mich
im Pillenparadies
.
selbst Gott
wirft sich was ein
eine Kapsel Erde
und kommt drauf
auf uns in sich
.
wir nehmen zu uns
bunt klein glänzend
eine Dosis Glück
und Gesundheit
.
schlucke dich runter
wie deinen Nächsten
erzählt das
Allerneueste Testament
dann wirst du
über Wasser gehen
.
in Tablettenform
meine Pillendose
mit Herzen bedruckt
und Kindersicher
.
iss mich nicht
ich bin zum Liebhaben
sagt das Brötchen
und ich schlucke
gegen den Hunger
.
manfred keitel
.
Lebenswerk
.
was wenn Können wäre
wie was Wäre könnte
.
wo das Wie sein würde
das Sein machen täte
.
können wäre wie sein
.
dort wäre es zu seien
wie wir kaum können
.
manfred keitel
.
Extreme voller Antworten
.

du warst das Ja ich Nein
ich öffnete meine Fragen
.
so weit dass du fliessen
und frei sein kannst bis
wir so Wahrheiten finden
und niemand mehr durstet
.
ich suche den Weg an dem
die Ufer stranden sollen
keiner trocken versandet
.
~
.
wir sollen so vielleicht
Auswege in Felsen spülen
und wir werden schwimmen
trocken und nass: feucht
.
wir können uns entfernen
von der Dürre und müssen
niemals allein ertrinken
nie zusammen vertrocknen
.
Meere voll mit Antworten
bewahren unsere Untiefen
Wege fräsen den Felssand
.
manfred keitel
.
Alles bleibt Juli I

Die Entfernung
in schnellen Sätzen
gehen, Komma
hin und wieder
und immer noch
fliegen die Küsse
wie Regen
über der Glut.

Alessa
.
Kein Sommergedicht,

in dem unter sengender Sonne
dein Körper im wogenden
Kornfeld zerfließt.
Kein hilfloses Halten
des Augenblicks -
dir nach kein duftendes Heu,
keine Rast im Schatten,
kein trockenes Blatt im Haar
und kein gebrochenes Gras.
Nur der staubige Feldweg
ahnt noch etwas
von unserer Hitze.

Dietrich

.
Alles bleibt Juli II

Die Haut ist warm
auf deiner Haut
frage ich mich
was du wohl schreibst
wenn du schweigst
in den Nächten
vor dem kalten Kamin
ein Glas Wein
und unser stiller Schwur
ein Toast
auf den nächsten Sommer.

Alessa
.
die hier veröffentlichen verse mögen momentane leseblitze sein .. /
unREGELmässige denkanStösse und anSporne / auf ein spezielles
latal-gedicht-archiv verzichten wir, da die meisten von euch eigene
archivierung betreiben -> links oberhalb / wer über keinen webspace
verfügt, kann im forum (s)eine eigene text-rubrik einrichten ..

jetzt RED ich -> CLICK zum FORUM !